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|
Alpenwanderungen
Bergell
| Jahr |
Bezeichnung der Tour |
Touren-Verlauf |
| 2002 |
Bergell I |
Vicosoprano (Pranzaira) - Albigna-Hütte -
Pass Cacciabella Süd - Sciora-Hütte -
Sasc-Furä-Hütte - Bondasca-Tal - Soglio -
Sentiero Panoramico - Vicosoprano |
Allgemeines zur Tour:
Das Bergeller Tal (Val Bregaglia) liegt südlich vom Oberengadin in Graubünden in der
Schweiz. Den Reiz dieser Wandertour macht zum Großteil der Gegensatz zwischen dem fast schon
südländischen Flair im Tal und dem hochalpinen Szenario auf den Bergeller Bergen aus.
Edelkastanienwälder und Gletscher - hier gibt es beides. Die Berge gehören mit ihren Türmen
und Nadeln aus Granit auch zu den schönsten, die die Alpen zu bieten haben.
Das Tal gehört übrigens schon zum italienischsprachigen Teil Graubündens. Aber keine Angst,
die meisten Bewohner sprechen auch deutsch.
Bezahlen kann man auf allen Hütten auch mit dem Euro, so dass man sich den Umtausch sparen
kann. Für Soglio sollte man sicherheitshalber eine Kreditkarte mitnehmen. (Mit deutschen
ec-Karten gibt es komischerweise in der Schweiz öfters Probleme als in anderen europäischen
Ländern.)
Der Knackpunkt dieser Tour ist der Abstieg vom Cacciabella-Pass. Wenn man von oben
herunterblickt, kann man schon ein etwas mulmiges Gefühl bekommen. Es geht steil herunter.
Die angebrachten Fixseile sind nicht wie bei manchen anderen Wegen mehr zur Beruhigung der
Psyche da, sondern werden beim Abklettern wirklich gebraucht. (Siehe Foto!) Deshalb sollte
die Wanderung nur im Spätsommer bei guten Wetterverhältnissen unternommen werden! Wenn in
den Rinnen noch Schneereste liegen oder der Fels noch glatt ist, rate ich von einer Begehung
dringend ab! (Schon beim Aufstieg zum von Stausee zum Pass ist die Überquerung der dort
vorhandenen abschüssigen Platten dann sicherlich unangenehm bis gefährlich.) - Andererseits
ist es aber so, dass man kein Kletterer sein muss, um vom Pass herunter zu kommen. Mit Hilfe
der Seile und bei guten Bedingungen geht es, aber Trittsicherheit und Schwindelfreiheit
sind Voraussetzung!
Nachträgliche Anmerkung: Im Sommer 2006 wurde der Abstieg Cacciabella-Pass
mit vielen Ketten, Trittbügeln und Leitern vollkommen neu neu angelegt und dadurch ein wenig
entschärft. Leicht ist er deshalb allerdings sicherlich immer noch nicht! Eine Beschreibung
und Fotos des Übergangs, welche eine Schwierigkeitseinschätzung erlauben, finden sich in
diesem
Tourentipp (PDF-Datei) aus dem Archiv des SAC.
Eine Alternative zur Abschwächung der Schwierigkeit wäre noch, die Tour andersherum zu
gehen. Dann hat man die Stelle im Aufstieg, was ja bekanntlich etwas leichter ist. Aber die
Etappen müssten dann sicherlich etwas umgeplant werden - vielleicht mit einer zusätzlichen
Übernachtung in der Sasc-Furä-Hütte.
Wer noch mehr Zeit hat, kann die vorgeschlagene Tour auch noch leicht um einen weiteren Tag
ausdehnen: Gestartet wird dann in Maloja. Von dort geht man am Anreisetag zur Forno-Hütte.
Am nächsten Tag quert man den Forno-Gletscher und geht über den Casnile-Pass (2941 m) zur
Albigna-Hütte.
Karten:
Die Kompass-Karte 92 (Chiavenna - Val Bregaglia) im Maßstab 1:50000 genügt den allgemeinen
Anforderungen, da die Wege ausreichend gut markiert sind.
Vom Schweizer Verlag Kümmerly+Frey gibt es die Karte "Oberengadin" im Maßstab 1:60000, auf
der das Bergell auch mit drauf ist. Qualitätsmäßig machen die Kümmerly+Frey-Karten einen noch
besseren Eindruck, sind dafür aber fast doppelt so teuer wie die Kompass-Karten. Auf dieser
Karte soll es jetzt im Gegensatz zu früheren Ausgaben auch Zusatzinformationen zu
Unterkünften usw. geben. (Habe sie aber selbst noch nicht gesehen, deshalb Angabe ohne
Garantie!)
1. Tag: Vicosoprano - Albigna-Hütte
Gehzeit: ca. 3,5 h
Anreise am Besten über den Maloja-Pass. Wir lassen das Auto in Pranzaira,
ca. 2 km vor Vicosoprano, stehen. Hier befindet sich die Talstation der Seilbahn auf ca.
1200 m Höhe. Sollten wir mit der Zeit schon ziemlich knapp dran sein, kann man diese auch
zur Auffahrt zum Albigna-Stausee benutzen. Dadurch verkürzt sich die Zeit
für den Aufstieg zur Hütte auf ca. 45 min.
Wir sind aber zum Wandern hergekommen und steigen also ohne Hilfe zum Stausee (2163 m) auf.
An der Staumauer links vorbei weiter zur Albigna-Hütte auf 2336 m. (Capanna
da l'Albigna, SAC)
2. Tag: Albigna-Hütte - Sciora-Hütte
Gehzeit: ca. 5 h
Von der Hütte abwärts zum Stausee, über die Staumauer auf die Westseite und dort entlang
über felsdurchsetzte Rasenhänge und später über Geröll zum Pass Cacciabella
Süd (2895 m). Beim letzten Stück des Aufstiegs und noch mehr beim nun folgenden
Abstieg müssen auch die Hände fleißig mithelfen. Die Draht- und Seilsicherungen sind hier
nicht fehl am Platz.
Nun abwärts bis zur Sciora-Hütte in 2118 m Höhe. (Capanna Sciora, SAC) Von
oben gesehen denkt man, sie liegt ziemlich reizlos in einem Trümmergelände. Ist man aber bei
der Hütte angekommen, bemerkt man die herrliche Lage: umgeben von den malerischen Bergriesen
der Sciora- und Bondasca-Gruppe, zu Füßen das Bondasca-Tal.
3. Tag: Sciora-Hütte - Soglio
Gehzeit: ca. 5 h
Von der Hütte geht es über Moränenrücken und Ausläufer des Cengalo-Gletschers - eine
wirklich beeindruckende Felswildnis unterhalb des Piz Badile.
Um auf den Viale (2250 m), dem Ausläufer der bekannten Piz-Badile-Nordkante
zu kommen, muss man noch einmal die Hände und die angebrachten Sicherungen zu Hilfe nehmen.
Von dort geht es abwärts zur Sasc-Furä-Hütte (Capanna Sasc Furä, SAC),
welche in 1904 m Höhe wieder ein anderes prachtvolles Panorama bietet. Dann weiter erst
steil hinunter zur Alp Laret (1377 m) und dann weniger steil auf einem Fahrweg durch das
Bondasca-Tal.
Wir haben dann einen Wanderweg genommen, welcher Bondo und Promontogno links liegen lässt
und uns zur Kirche Notta Donna führt. Auf ca. 840 m Höhe wird die Maira überquert. Über
Caccior führt dann ein schön angelegter Wanderweg aufwärts zu unserem Tagesziel nach
Soglio in 1090 m Höhe, welches sicherlich zu den schönsten Bergdörfern der
Welt zählt. Hier sucht man sich ein Quartier.
4. Tag: Soglio - Vicosoprano
Gehzeit: ca. 3 h
Dieser Tag bringt einen traumhaften Abschluss der Tour: Über den Sentiero
Panoramico geht es ohne schwere An- und Abstiege auf der rechten Talseite bis nach
Vicosoprano. Der Weg trägt seinen Namen nicht zu unrecht - immer wieder
schaut man unwillkürlich auf das herrliche Panorama der Bergeller Berge auf der
gegenüberliegenden Talseite.
In Vicosoprano bewundern wir die schönen Häuser und bringen dann noch die letzten 150
Höhenmeter bis zur Pranzaira-Seilbahn hinter uns. Ein Wochenende in wunderschöner Landschaft
geht dann leider zu Ende.
Druckansicht der Tour-Beschreibung
Allgemeines zu allen Touren
Kurzbericht von der Tour 2002
Eigentlich war die Männertour für das erste Septemberwochenende geplant, aber dann sagte
einer nach dem anderen ab. So entschlossen sich dann Clemens und ich, vom 20.-23.09.2002
in die Berge zu fahren. Kurz zuvor sagte dann Johannes noch zu, dass er auch mitkommt.
Der Wetterbericht kündigte im Norden der Alpen wieder viel Regen und Schnee an. Also
suchten wir eine Tour weiter im Süden heraus und entschieden uns für das Bergell. Die
Entscheidung war richtig: Auf dem gesamten Hinweg regnete es, erst im Oberengadin ließ
der Regen nach. Wir hatten dann auf der gesamten Tour schönes Wetter (außer ein klein wenig
Nieselregen beim Aufstieg).
Auf den Hütten war es ziemlich leer, da sie in der darauffolgenden Woche schließen wollten.
Die Sasc-Furä-Hütte, welche am 3. Tag am Weg liegt, hatte auch schon geschlossen. Aber wir
hätten sie sowieso nur zu einer kurzen Einkehr benutzt.
In Soglio muss man sich nach der Ankunft als erstes eine Unterkunft suchen. Wir haben in dem
kleinen separaten Gästehaus übernachtet, welches zum Albergo Ristorante Stüa granda
gehört. Es befindet sich nicht direkt bei dem Restaurant, man bekommt dort aber die
Schlüssel und wird hingeführt. Es ist sehr gemütlich und für schweizer Verhältnisse
preiswert.
Am Montag genossen wir dann nach dem schönen Sentiero Panoramico und der Rückkehr zum Auto
die recht schöne Autofahrt durch die Schweiz - über den Maloja- und Julierpass, durch
Lenzerheide und das Rheintal.
In memoriam: Johannes Kadura
Trauriger Nachtrag: Zusammen fuhren wir am 23. September 2002 aus dem Bergell heim zu uns
nach Marbach und dann Clemens und Hannes jeder zu sich nach Hause. Am nächsten Tag kam ein
Anruf, dass Hannes bei der Heimfahrt kurz vor Dresden mit dem Auto tödlich verunglückt ist.
Wir konnten es nicht richtig fassen: Gerade hatten wir zusammen ein so wunderschönes
Wochenende erlebt und nun das? Er hatte doch noch so viel vor. Gerade jetzt, wo er rundum
zufrieden schien. Gerade nach so einem Wochenende. Unbegreiflich.
Aber in einer solchen Situation zeigt sich, ob die christliche Überzeugung, dass das nicht
das Ende ist, etwas taugt. Trotz der Trauer.
Wir werden ihn jedenfalls in sehr guter Erinnerung behalten. Ich bin sehr dankbar dafür,
dass ich diese schöne Wanderung im Bergell mit ihm machen konnte. Er ist uns nur
vorausgegangen - wie in dem nebenstehenden Bild.
Tour-Bericht von Claudia Schneidereit
Im Herbst 2004 bekam ich per E-Mail einen Bericht von Claudia Schneidereit aus
Schleiden-Ettelscheid (Eifel) zugeschickt. Sie schildert darin ausführlich ihre Eindrücke von
der Tour, die sie im Sommer 2004 mit ihrer Schwester gegangen ist. Ich erhielt die Erlaubnis,
den Bericht auf unserer Homepage online zu stellen. Hier der
Link zu diesem Bericht.
Viel Spaß beim Lesen!
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